Bei allen Sorgen um die Staatsverschuldung und den Euro erwartet die
OECD für die deutsche Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr ein
starkes Wachstum. Die Schwäche des Euro helfe sogar.
Die OECD erwartet für Deutschland ein deutliches Wirtschaftswachstum
Die OECD hat ihre Schätzung für das Wirtschaftswachstum Deutschlands im
laufenden und kommenden Jahr deutlich angehoben. Wie die in Paris
ansässige Organisation in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Ausblick
mitteilte, rechnet sie für 2010 mit einem kalenderbereinigten Anstieg des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,9 Prozent. Im März hatte die OECD noch
eine Prognose von 1,1 Prozent genannt. Für das kommende Jahr hob die OECD
ihre Prognose von 1,9 auf 2,1 Prozent an.
Getrieben wird die Wachstumserholung in diesem Jahr vor allem von
anziehenden Exporten und öffentlichen Investitionen aus den
Konjunkturprogrammen. „Der private Konsum dürfte im laufenden Jahr dagegen
leicht zurückgehen, auch weil zu erwarten ist, dass zusätzliches Einkommen
aus Steuererleichterungen in erster Linie in Ersparnisse fließt“,
analysierte die Organisation. Mit einem Exportplus von zehn Prozent werde
Deutschland in diesem Jahr Weltmarktanteile zurückgewinnen, die im
Krisenjahr 2009 verloren gingen. OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan sagte,
der jüngste Rückgang des Euro komme den Exporten zugute. Auch deshalb
werde der Währungsraum nicht in die Rezession zurückfallen.
USA und Japan wachsen stärker
Allerdings hinkt die Euro-Zone anderen Regionen hinterher. Laut OECD kommt sie mit einem Wachstum von 1,2 Prozent 2010 und 1,8 Prozent 2011 nur schleppend aus der Krise. In den USA hingegen dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem und im nächsten Jahr jeweils um 3,2 Prozent zulegen, Japans Wirtschaft wachse 2010 um drei und 2011 um zwei Prozent.
Die OECD verwies darauf, dass sich der deutsche Arbeitsmarkt im
OECD-Vergleich und auch im Vergleich zu früheren Krisen nach wie vor
robust zeige. Für 2010 und 2011 wird mit einem Anstieg der
Arbeitslosigkeit auf 7,6 beziehungsweise acht Prozent gerechnet. 2009
hatte die Quote bei 7,4 Prozent gelegen.
Das öffentliche Defizit in Deutschland wird nach Einschätzung der OECD im
laufenden Jahr auf 5,4 Prozent des BIP steigen. Für 2011 wird mit einem
Defizit von 4,5 Prozent gerechnet. „Wichtigster Grund für diese
Entwicklung ist ein Rückgang der Einnahmen, nicht zuletzt aufgrund der
Reduzierung der Einkommensteuer“, heißt es in dem Bericht. Die in der
Verfassung verankerte Schuldenbremse verlange, dass im kommenden Jahr mit
der Konsolidierung begonnen werde. Die Organisation empfiehlt der
Bundesregierung aber, den Aufschwung nicht mit Steuererhöhungen
abzuwürgen. „Bei der Auswahl der Optionen für die Konsolidierung der
kommenden Zeit sollten Ausgabenkürzungen und einem Abbau von
Steuervergünstigungen Vorrang vor Steuererhöhungen eingeräumt werden.“








